Scherenschnitt eines menschlichen Kopfes, aus dem bunte Blüten kommen, vor einem hellgrünen Hintergrund

Mentale Gesundheit als Teil von Diversity: Wie Achtsamkeit Diskriminierung vorbeugt

20. Januar 2026

Stress ist in unserer Gesellschaft ein allgegenwärtiges Thema: Überforderung am Arbeitsplatz, Probleme in privaten Beziehungen, Krisenstimmung in der Politik. Wenn wir diesen Stress nicht ausreichend verarbeiten können, steigt das Risiko für gesundheitliche Belastungen. Jedes Jahr sind über 27 Prozent der Erwachsenen in Deutschland von psychischen Erkrankungen betroffen. Im Jahr 2024 zeigten 22 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Anzeichen einer Depression und 14 Prozent Symptome einer Angststörung. Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Burnout ist im letzten Jahrzehnt um 70 Prozent angestiegen. Rund 7 Millionen Menschen leiden an Suchterkrankungen. 

Unsichtbare Unterschiede

Wenn jemand an psychischen Belastungen leidet, sehen wir das oft nicht auf den ersten Blick. Der Unterschied bleibt zunächst unsichtbar – doch er ist genauso real wie eine körperliche Beeinträchtigung. Schließlich beeinflusst der Zustand unseres Nervensystems unsere Wahrnehmung, unsere Gedanken und unser Verhalten. Man nennt das auch „story follows state“ – die Geschichten, die wir uns erzählen, resultieren aus unserem Zustand. Wenn wir gestresst sind, das heißt, wenn unser Nervensystem im Überlebensmodus ist, fokussieren wir uns eher auf Gefahr. Sind wir entspannt und fühlen uns sicher, können wir Positives besser wahrnehmen und weiter in die Zukunft denken.

Sich dieser Umstände bewusst zu sein, beugt Diskriminierung vor – denn diese beginnt oft gerade da, wo Lebensrealitäten unbemerkt bleiben. Ein Bewusstsein für mentale Gesundheit begünstigt eine vielfältige Gesellschaft.

Mentale Gesundheit und psychische Erkrankungen

Mentale Gesundheit ist laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) „ein Zustand des Wohlbefindens, in dem eine Person ihre Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und einen Beitrag zu ihrer Gemeinschaft leisten kann“. Diese Definition betont, dass es nicht nur um das Fehlen von Störungen geht, sondern auch um emotionales, kognitives und soziales Gleichgewicht. 
Menschen mit psychischen Erkrankungen wiederum können durch passende Unterstützung und Therapie ein solches Gleichgewicht zurückerlangen. Dies zu erkennen, kann helfen, Menschen mit mentalen Unterschieden nicht automatisch zu pathologisieren, also sie als „krank“ abzustempeln. Ein differenzierter und individueller Blick ist nötig. Dadurch wird nicht nur erkennbar, wo jemand Unterstützung braucht, sondern auch, wo die Stärken und Fähigkeiten einer Person liegen.

Problematische Trennung von Körper und Geist

Obwohl das dualistische Modell des französischen Philosophen René Descartes, das Körper und Geist als getrennt voneinander darstellt, längst als überholt gilt, sind seine Folgen auch im modernen Arbeitskontext oft noch präsent. Symptome wie Kopf- oder Rückenschmerzen werden häufig als rein körperlich behandelt, während der Einfluss von psychischem Stress ausgeklammert wird. Auf der anderen Seite werden Menschen mit psychischen Problemen direkt in psychotherapeutische Behandlung geschickt, ohne mögliche körperliche Beschwerden zu prüfen. In Bürojobs wird physische Präsenz, gemessen mittels Zeiterfassung, mit Leistung gleichgesetzt, ohne den tatsächlichen mentalen Zustand und die davon abhängige Produktivität zu berücksichtigen. Immer noch wird der Körper viel zu oft als Maschine betrachtet, die dem Geist unterstellt ist. Um diese Vorstellung aufzulösen, dürfen wir uns daran erinnern, dass wir ganzheitliche Wesen sind, in denen alles mit allem zusammenwirkt.

Was Unternehmen praktisch für mentale Diversität tun können

Nimmt man eine ganzheitliche Perspektive ein, wird auch klar, dass Gesundheit nicht auf Individuen beschränkt bleibt, sondern die ganze Gesellschaft betrifft. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz regt an, mentale Belastungen nicht als Problem von Einzelpersonen zu betrachten, sondern als relevant für das ganze Unternehmen – so könne das Thema „strukturiert und organisiert angegangen werden“. In der Tat haben psychische Erkrankungen auch wirtschaftliche Auswirkungen: Im Jahr 2024 waren sie die dritthäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit, mit einem Anteil von 17,4 Prozent an allen Fehltagen. Um dem vorzubeugen, können Unternehmen konkrete Schritte gehen:

Arbeitsbedingungen an die Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen anpassen: 

  • Flexible Arbeitszeitmodelle und Homeoffice-Möglichkeiten 
  • Feste und regelmäßige Pausen, möglicherweise auch in eigens eingerichteten Ruheräumen
  • Ergonomische Arbeitsplätze
  • Klare Verantwortlichkeiten, eindeutige Aufgaben und realistische Deadlines

Wertschätzende Kommunikation fördern:

  • Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen
  • Offene Gesprächskultur auf allen Ebenen (auch von Führungskräften)
  • Austauschformate einrichten
  • Zugang zu Gesprächen mit professionellen Therapeut*innen (z. B. Krisentelefon)
  • Konfliktmoderation und Maßnahmen gegen Mobbing

Vorteile für Unternehmen

Indem Unternehmen auf die psychischen Herausforderungen und Unterschiede ihrer Mitarbeiter*innen eingehen, schaffen sie eine inklusive Atmosphäre, die wiederum die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber fördert. Somit werden motivierte, loyale und zufriedene Mitarbeiter*innen gewonnen, die durch einen wertschätzenden Umgang und gezielte Unterstützung ihr volles Potential entfalten können – ganz im Sinne der Definition von ganzheitlicher mentaler Gesundheit. Außerdem kann durch eine Arbeitsatmosphäre, in der psychische Erkrankungen kein Tabu sind, der Entwicklung von schwerwiegenden Belastungen vorgebeugt werden. Unternehmen können in diesem Sinne also auch präventiv handeln und damit ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung Sorge tragen.

Je weniger in einer Gesellschaft diskriminiert wird, desto gesünder können die ihr zugehörigen Menschen sein. Du willst lernen, wie du Diskriminierung vorbeugst, und gleichzeitig deinen Blick für Ganzheitlichkeit und Potentialentfaltung schulen? Dann ist unser Diversity-Awareness-Kurs das Richtige für dich! Hier erhältst du mehr Infos.

 

Beitragsbild: shutterstock / Kattecat
 

Geschlechtergerechtigkeit gehört zu den Grundsätzen unseres Unternehmens. Sprachliche Gleichbehandlung ist dabei ein wesentliches Merkmal. Für den diskriminierungsfreien Sprachgebrauch verwenden wir in Texten den Gender Star bei allen personenbezogenen Bezeichnungen, um alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten einzuschließen. Versehentliche Abweichungen enthalten keine Diskriminierungsabsicht.
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