Zwei Personen mit bunten, lockigen Perücken (eine rot-blau, eine gelb) und großen runden Sonnenbrillen (blau und rosa) schauen in die Kamera und pusten Partytröten. Um sie herum sind viele bunte Luftballons und herabfallendes Konfetti. Die Szene wirkt fröhlich und erinnert an eine Karnevals- oder Geburtstagsfeier.

Kostümierung an Fastnacht und Diversität

2. Februar 2026

Fastnacht, Karneval oder Fasching gilt als Zeit der Ausnahme: Rollen werden getauscht und Hierarchien auf den Kopf gestellt. Menschen verkleiden sich, probieren Neues aus und genießen kollektive Ausgelassenheit. Kostümierung ist dabei zentraler Bestandteil – sie steht für Kreativität, Humor und das Spiel mit Identitäten.

Gleichzeitig ist Fastnacht kein gesellschaftsfreier Raum. Auch hier wirken Machtverhältnisse, Bilder und Stereotype fort. Gerade deshalb lohnt es sich, das Thema Kostümierung aus einer diversitätsbewussten Perspektive zu betrachten.

Kostüme sind nie neutral

Kostüme stellen etwas dar – und diese Darstellungen transportieren Bedeutungen. Sie greifen auf Bilder zurück, die kulturell geprägt sind und oft eine lange Geschichte haben. Ob bewusst oder unbewusst: Mit jeder Verkleidung werden Zuschreibungen reproduziert oder infrage gestellt.

Während sich manche Menschen verkleiden, um Fantasiefiguren, Berufe oder abstrakte Rollen darzustellen, greifen andere Kostüme auf reale Personengruppen zurück. Besonders problematisch wird es dann, wenn marginalisierte Gruppen auf vereinfachte, exotisierte oder abwertende Weise dargestellt werden. Was für die eine Person „nur Spaß“ ist, kann für andere schmerzhaft sein, da es an alltägliche Diskriminierungserfahrungen anknüpft.

Kulturelle Aneignung im Kontext von Fastnacht

Ein zentraler Aspekt in der Debatte um Kostümierung ist kulturelle Aneignung. Darunter wird verstanden, dass Elemente aus Kulturen marginalisierter Gruppen von Angehörigen einer dominanten Mehrheitsgesellschaft übernommen werden – häufig ohne Kontext, Respekt oder Beteiligung der betroffenen Gruppen.

Typische Beispiele im Fastnachtskontext sind:

  • „Indianer“-Kostüme, die indigene Kulturen auf Federschmuck und Kriegsbemalung reduzieren
  • stereotype Darstellungen asiatischer, afrikanischer oder arabischer Menschen
  • religiöse Symbole als Verkleidung oder Partyaccessoire

Problematisch daran ist nicht Neugier auf andere Kulturen, sondern die Reproduktion kolonialer und rassistischer Bilder. Diese Darstellungen stehen in einem Machtungleichgewicht: Während die eine Seite sich verkleidet und dafür Applaus erhält, erleben Angehörige der dargestellten Gruppen im Alltag Diskriminierung genau aufgrund dieser Merkmale.

Die Debatte um kulturelle Aneignung wird kontrovers geführt: Einerseits wird hervorgehoben, dass bestimmte Darstellungen marginalisierte Gruppen verletzen können; andererseits wird auf die Komplexität und Geschichte kultureller Einflüsse verwiesen.

Philosophin Ursula Renz zur Debatte um kulturelle Aneignung

Die Philosophin Ursula Renz argumentiert in einem Beitrag des Deutschlandfunk Kultur, dass Kultur per se nie ohne Aneignung existiere. Sie erklärt, dass der Vorwurf der kulturellen Aneignung oft aus der Wahrnehmung eines zugrunde liegenden Machtgefälles zwischen dominanten und marginalisierten Gruppen entstehe, nicht allein aufgrund der Hautfarbe oder der Herkunft einer Person. Renz zufolge sei es nicht die Übernahme eines Symbols selbst, die moralisch problematisch sei, sondern die Art und Weise, wie dies geschieht und welche historischen Machtverhältnisse damit verbunden sind:

„Wenn es tatsächlich ein moralisches Problem dabei gibt, dann hängt das nicht an der Hautfarbe derjenigen Person… ,sondern … daran, dass jemand, der über viele Ressourcen verfügt, sich ein Element aus einer Kultur zu eigen macht, die sich als ressourcenärmer und ihre Kultur deshalb viel stärker als Eigentum auffasst.“

Für Renz sei das Bild eines festen, unveränderlichen kulturellen Eigentums irreführend, weil Kultur im Grundsatz durch Transfer und Vermischung geprägt sei:

„Denn Kultur ist immer auch Kulturtransfer. … Das Aneignen selber, das ist Kultur. Das finden wir in der ganzen Kulturgeschichte immer wieder: in der Literatur, in der Musik, in der Philosophie.“

Sie betont zudem, dass die Vorstellung, bestimmte kulturelle Praktiken oder Symbole gehörten ausschließlich einer Gruppe, auf einem essentialistischen Kulturverständnis beruhen könne, das Kulturen als statisch und unveränderlich begreife – was sie für problematisch hält.

Renz plädiert deshalb dafür, nicht strikt zwischen „eigener“ und „fremder“ Kultur zu trennen, sondern eher einen respektvollen Dialog zu suchen. Aneignung könne sogar Ausdruck von Solidarität sein, wenn sie mit Respekt und Bewusstsein für Herkunft und Kontext stattfinde:

„Ist nicht letztlich die Haltung, mit der solche Dinge übernommen werden, ganz entscheidend? … das sollte einhergehen mit einem ganz großen Gestus des Respekts …“

Diese Perspektive zeigt, dass die Debatte um kulturelle Aneignung vielschichtig ist: Sie umfasst sowohl berechtigte Kritik an Machtverhältnissen als auch die Frage, wie kultureller Austausch sinnvoll, wertschätzend und verantwortungsvoll gestaltet werden kann.

Diskriminierende Kostüme erkennen

Neben kultureller Aneignung gibt es weitere Formen problematischer Kostümierung:

  • Rassistische Stereotype, etwa durch Blackfacing oder karikierende Darstellungen
  • Sexistische Kostüme, die insbesondere Frauen auf Sexualität reduzieren
  • Ableistische Verkleidungen, die körperliche oder psychische Beeinträchtigungen ins Lächerliche ziehen
  • Klassistische Darstellungen, bei denen Armut und soziale Not als Kostüm genutzt werden

Gemeinsam ist diesen Verkleidungen, dass durch sie Gruppen diskriminiert werden, die gesellschaftlich ohnehin benachteiligt sind.

Inklusive Perspektiven: Vielfalt feiern ohne Abwertung

Fastnacht bietet viele Möglichkeiten, kreativ zu sein, ohne diskriminierend zu wirken. Inklusive Kostümierung bedeutet nicht Verzicht auf Spaß, sondern bewusste Entscheidungen.

Mögliche Alternativen sind:

  • Fantasiefiguren, Tiere, Märchen- oder Comicfiguren
  • abstrakte Ideen, Wortspiele oder selbst gestaltete Kostüme
  • Rollenwechsel, die Machtverhältnisse hinterfragen, ohne marginalisierte Gruppen zu karikieren
  • Raum für vielfältige geschlechtliche und queere Ausdrucksformen

Entscheidend ist die Frage: Wird jemand durch mein Kostüm herabgesetzt oder stereotypisiert?

Verantwortung übernehmen – individuell und strukturell

Diversitätsbewusste Kostümierung beginnt mit Selbstreflexion. Hilfreiche Fragen vor der Kostümwahl können sein:

  • Stelle ich eine reale Personengruppe dar?
  • Gehört diese Gruppe zu einer marginalisierten Gemeinschaft?
  • Würde ich diese Darstellung auch akzeptabel finden, wenn sie mich selbst beträfe?

Besondere Verantwortung tragen auch Institutionen wie Kitas, Schulen, Vereine oder Unternehmen, die Fastnacht feiern. Klare Leitlinien, offene Gespräche und pädagogische Begleitung können dazu beitragen, Unsicherheiten zu reduzieren und Bewusstsein zu schaffen – ohne zu moralisieren.

Kritik zulassen und aus Fehlern lernen

Wenn Kostüme kritisiert werden, wird dies oft als Angriff auf persönliche Freiheit oder Humor empfunden. Dabei geht es in der Regel nicht um „Spaßverbote“, sondern um Sensibilisierung. Kritik eröffnet Lernprozesse – vorausgesetzt, sie wird ernst genommen.

Eine diversitätsbewusste Haltung zeigt sich nicht darin, alles „richtig“ zu machen, sondern darin, bereit zu sein zuzuhören, Verantwortung zu übernehmen und das eigene Handeln zu reflektieren.

Fastnacht als Chance für respektvolle Vielfalt

Fastnacht kann mehr sein als Traditionspflege und ausgelassene Feiern. Sie kann ein Raum sein, in dem Vielfalt sichtbar wird, ohne auf Kosten anderer zu gehen. Bewusste Kostümierung bedeutet, Spaß und Verantwortung zusammenzudenken – und damit ein Zeichen für Respekt, Solidarität und gesellschaftliche Vielfalt zu setzen.

Fastnacht zeigt, wie schnell gut gemeinter Spaß in Ausgrenzung kippen kann. In unserem Diversity-Awareness-Kurs lernst du, Diskriminierung zu erkennen, Machtverhältnisse zu reflektieren und Vielfalt respektvoll zu gestalten – im Alltag, im Beruf und in pädagogischen Kontexten. Jetzt informieren und Diversitätskompetenz stärken!

Beitragsbild: shutterstock/KarepaStock

Geschlechtergerechtigkeit gehört zu den Grundsätzen unseres Unternehmens. Sprachliche Gleichbehandlung ist dabei ein wesentliches Merkmal. Für den diskriminierungsfreien Sprachgebrauch verwenden wir in Texten den Gender Star bei allen personenbezogenen Bezeichnungen, um alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten einzuschließen. Versehentliche Abweichungen enthalten keine Diskriminierungsabsicht.
Zwei Personen mit bunten, lockigen Perücken (eine rot-blau, eine gelb) und großen runden Sonnenbrillen (blau und rosa) schauen in die Kamera und pusten Partytröten. Um sie herum sind viele bunte Luftballons und herabfallendes Konfetti. Die Szene wirkt fröhlich und erinnert an eine Karnevals- oder Geburtstagsfeier.



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